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Sicherheit, Preistransparenz und Wärmewende – Eckpfeiler der Weimarer Wärmeversorgung

Wir, die Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs-GmbH, sind in letzter Zeit in die Kritik geraten. Konkret ging es um die Fernwärmepreise, die im letzten Quartal des Ausnahme- und Krisenjahrs 2022 außergewöhnlich hoch lagen. Wir haben die zentralen Vorwürfe und Kritikpunkte aus Presse und Öffentlichkeit gesammelt, in Fragen gegossen und Jörn Otto, den Geschäftsführer der Stadtwerke Weimar, um Informationen und Erklärungen gebeten. Hier seine Antworten:

Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Nein. Ein Blick auf die aktuelle Preistabelle mit Vergleichen zu anderen Anbietern zeigt: Die Stadtwerke Weimar haben nicht den höchsten Fernwärmepreis in Deutschland. Unsere Preisen sinken sogar noch weiter: im nächsten Quartal können wir unsere Preise erneut senken.

Neben der Versorgungssicherheit als unserer obersten Priorität sowie unserem Engagement für mehr Preistransparenz und einer aktiven Gestaltung der Wärmewende wollen und werden wir Fernwärme, wann immer es die Marktbedingungen zulassen, zu fairen Preisen anbieten.

Manche Medien haben von einer Verfünfzehnfachung der Fernwärmepreise geschrieben, weil sie besonders niedrige Vorkrisenwerte aus 2020 und besonders hohe Preise, wie es sie nach der Corona-Pandemie und dem beginnenden Ukraine-Krieg gab, verglichen haben.

Vergleicht man – wie üblich – Fernwärmepreise von Quartal zu Quartal, dann hat sich zwischen dem dritten Quartal 2022 und dem vierten Quartal 2022 ein Preisanstieg von 55 Prozent gegeben.

Konkret hat sich damals der Arbeitspreis im Ausnahmequartal 4/2022 von 26,918 Cent pro Kilowattstunde auf 41,606 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Dieser außergewöhnliche Preisanstieg hing mit den exorbitant hohen Beschaffungskosten für Erdgas zusammen.

Vielleicht erinnern Sie sich noch daran: Von Gasmangellage war damals die Rede, der Bundeswirtschaftsminister hatte alle Hände voll zu tun, Alternativen für die russischen Lieferverträge zu finden und durch die Gaspipelines aus Russland floss deutlich weniger oder gar kein Gas mehr.

In dieser unsicheren Weltlage und bei einer steigenden Nachfrage nach Gas schossen auch die Marktpreise in Höhe. Fernwärme erzeugen und das notwendige Gas dazu einkaufen mussten wir auch in dieser schwierigen Zeit – und zwar wohl oder übel zu historischen Höchstpreisen. Wir brauchten das Gas ja, um im bevorstehenden Winter Wärme in die Häuser zu bringen.

Also haben wir bei hohen Marktpreisen die nötigen Gasmengen gekauft. Das hat schließlich dazu geführt, dass die Preise vom dritten Quartal 2022 auf das vierte Quartal deutlich, und zwar um 55 Prozent und damit um das 1,5 fache, gestiegen sind.

Unsere Fernwärmepreise hängen eben unter anderem auch von den Einkaufs- und Marktbedingungen ab – und zwar im Schlechten, wie im Guten. So lag der Fernwärmepreis im dritten Quartal 2020, also zwei Jahre vorher, mit einem Arbeitspreis von 2,842 Cent pro Kilowattstunde deutlich unter dem Preisniveau vieler anderer deutscher Anbieter.

Und man muss die Geschichte seit Ende 2022 fairerweise auch weitererzählen: Nachdem sich die Märkte seit 2023 beruhigt und die Preise wieder etwas nachgegeben haben, haben wir den Fernwärmepreis wieder gesenkt – und zwar deutlich. Unsere Preise sind fast wieder auf Vorkrisenniveau.

Wir können verstehen, dass viele Kunden und Kundinnen die komplexen Berechnungsformeln für die Fernwärme nicht vollständig nachvollziehen können. Es geht da um viele Fachausdrücke, voneinander abhängige Formeln und Indices. Die Einzelheiten erklären wir auf unserer Webseite unter https://sw-weimar.de/waerme/preise-und-bedingungen/

Wir wissen auch: Akzeptanz entsteht vor allem durch offene Kommunikation. Daher haben wir uns zusammen mit anderen Fernwärmeanbietern bereits in 2023 entschlossen, uns an der sogenannten Preistransparenz-Plattform zu beteiligen. Unter der Webseite waermepreise.info finden Interessierte eine Übersicht der Fernwärmepreise in Deutschland.

Die Daten kommen dabei aus einer seit Jahren bewährten, anerkannten und unabhängigen Preiseabfrage des AGFW (siehe dazu auch www.agfw.de), die einmal pro Jahr Fernwärmepreise deutscher Fernwärmelieferanten erfragt und in einer Übersicht zusammenfasst.

Diese Preisübersicht ist vom VKU, also dem Verband kommunaler Unternehmen, und dem BDEW, dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V., nun weiterentwickelt worden und wird in 2024 erstmals öffentlich zugänglich gemacht. Damit steht Kunden und Kundinnen, allen Interessierten, der Presse und deutschen Öffentlichkeit eine Liste mit deutschen Fernwärmepreisen zur Verfügung.

 

Nein, Fehler haben wir nicht gemacht. Wir verfolgen bei der Beschaffung von Erdgas, mit dem wir die Weimarer Fernwärme erzeugen, eine Kurzfriststrategie. Das bedeutet: Wir kaufen die Gasmenge für das kommende Quartal zum Durchschnittspreis ein, der sich aus dem ersten Monat des Vorquartals ergeben hat.

Eine durchaus übliche Einkaufsstrategie, mit der wir jahrelang sehr gut gefahren sind. Denn wir haben so nah am Markt agiert, schnell reagiert und haben unseren Kunden über viele Jahre Wärme zu fairen Preisen geliefert, ja oftmals sogar zu Preisen, die unter dem bundesweiten Durchschnittspreis für Fernwärme lagen, geliefert. Und auch der Blick auf unsere aktuellen Preise bestätigt, dass wir mit unserer Strategie richtig liegen.

Gerne möchte ich noch auf einen Hauptkritikpunkte eingehen: uns wurde vorgeworfen, dass wir in 2022 auf eine andere Einkaufsstrategie hätten umsteigen sollen. Diese Forderung ist meines Erachtens zu kurz gegriffen. Denn wer hat vorausgesehen, dass ein Krieg in Europa ausbrechen würde und damit die gesamte deutsche Energiewelt in ihren Grundfesten erschüttert werden würde? Und auch die Alternative, von unserer Kurzfriststrategie auf eine längerfristige Strategie zu wechseln, schien und scheint nach wie vor wenig klug. Denn das hätte ja bedeutet, dass wir genau in der Hochpreisphase noch mehr Gas hätten einkaufen müssen. Dann wäre es uns wiederum nicht gelungen, die Fernwärmepreise wieder so schnell zu senken, wie wir es jetzt getan haben. Also hier wird deutlich: Einfache Lösungen gibt es in Krisen selten…

Wie gesagt: Für uns als Stadtwerke mit besonderer Verantwortung für die Weimarer und Weimarerinnen geht Sicherheit vor. Das galt in 2022 und gilt auch weiterhin.

Natürlich, wir haben damals Ende 2022 unsere Beschaffungsstrategie schon auf den Prüfstand gestellt und uns gefragt: Wo können wir optimieren? Wie können wir Hochpreisphasen umgehen und dabei gleichzeitig Sicherheit und Flexibilität aufrechterhalten wie der bei bisherigen Einkaufsstrategie?

Wir sind allerdings zu dem Schluss gekommen, dass unsere Strategie die beste für uns und unsere Kunden bleibt. Auch wenn dieses eine Quartal mit sehr hohen Preisen sehr schmerzhaft gewesen ist, darf das nicht völlig überdecken, dass sich unsere Preispolitik in den Jahren davor und danach bewährt hat.

Ja, selbstverständlich. Zukunftsfähiger denn je, möchte ich sagen. Fernwärme ist ja einer der wichtigsten und zentralen Bausteine der nachhaltigen Energiezukunft in Deutschland. Sie wird regional erzeugt und trägt damit zur Wertschöpfung vor Ort bei. Fernwärme kann und wird zukünftig aus sehr unterschiedlichen und zukunftsweisenden Wärmequellen und -technologien stammen, wie Abwärme, Geothermie, Großwärmepumpen, KWK-Anlagen mit klimaneutralen Gasen oder Biomassefeuerung oder Solarthermie und wird so einen wichtigen Beitrag zu mehr Klimaschutz leisten. Fernwärme ist außerdem eine erprobte und verlässliche Technologie. Und schließlich ist Fernwärme für den Kunden komfortabel, weil sie Wärme fertig ins Haus bekommen – platzsparend, sauber, direkt.

Für uns als Stadtwerke Weimar ist völlig klar: Ein wichtiger Teil der Energiezukunft ist die klimaneutrale Fernwärme. Und genau deshalb forcieren wir auch die Transformation zur grünen Fernwärme.

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