Stadtwerke erhalten Erlaubnis zur Aufsuchung von Tiefengeothermie im Raum Weimar

Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) hat der Stadtwerke Weimar GmbH eine Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme aus Bohrungen ab einer Tiefe von 400 Metern und die im Zusammenhang mit ihrer Gewinnung auftretenden anderen Energien im Feld „Erdwärme Weimar“ erteilt. Der Erlaubnis waren umfangreiche Beteiligungen von Fachbehörden, Landkreisen, Städten, Gemeinden als Träger öffentlicher Belange vorausgegangen.

Das ca. 495 Quadratkilometer große Erlaubnisfeld erstreckt sich auf die kreisfreie Stadt Weimar, den zentralen Bereich des Landkreises Weimarer Land und teilweise auf die nördlich bzw. westlich angrenzenden Bereiche des Landkreises Sömmerda und der kreisfreien Stadt Erfurt.

„Um die Weimarer Fernwärme klimaneutral zu gestalten, brauchen wir verschiedene Wärmequellen. Tiefengeothermie kann dabei ein Baustein sein“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführerin Constanze Reppin. „Mit der jetzt erteilten Aufsuchungserlaubnis können wir untersuchen, welches Potenzial tatsächlich im Untergrund steckt. Das ist noch keine Entscheidung für Geothermie. Wir wollen zunächst wissen, was technisch möglich ist, ob und wieviel Wärme sich gewinnen lässt und wie die Geothermie im Vergleich zu anderen Wärmequellen abschneidet. Am Ende muss die Lösung zuverlässig und wirtschaftlich für uns und unsere Kunden sein.“

Die Erlaubnis sichert der Stadtwerke Weimar GmbH zunächst lediglich das ausschließliche Recht, in dem Erlaubnisfeld nach geeigneten geothermischen Vorkommen zu suchen. Bevor konkrete Maßnahmen wie seismische Messungen oder Probebohrungen durchgeführt werden können, sind weitere Genehmigungen erforderlich. In diesen Verfahren werden betroffene Behörden, Kommunen und weitere Beteiligte erneut eingebunden. 

Die Erlaubnis ist bis Juni 2031 befristet. Die Erlaubnisinhaberin muss dem TLUBN regelmäßig über den Stand der Untersuchungen berichten.

Häufig gestellte Fragen

Wie läuft die Prüfung ab?

Für ein erfolgreiches Geothermie-Projekt sind mehrere Schritte nötig. Einige davon sind bereits abgeschlossen:

  • Grundlagenermittlung durch Auswertung früherer Bohrungen aus den 1960er und 1970er Jahren sowie Abgleich mit Erkenntnissen aus anderen Projekten 
  • Erarbeitung eines Erkundungskonzeptes und Auswahl potenzieller Standorte 
  • Erteilung der Aufsuchungserlaubnis nach Prüfung durch die Fachbehörden und Anhörung Betroffener 

Folgende Schritte stehen noch aus:

  • Durchführung seismischer Untersuchungen
  • Geologische Auswertung der Daten und Ableitung weiterer ökonomischer Kennzahlen zur Entscheidung, ob das Projekt fortgesetzt wird
  • Entscheidung über die weiteren Schritte

Was bedeutet das für die Bürger?

Die Stadtwerke informieren die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger fortlaufend und offen über die Ergebnisse. 

Weitere Schritte werden eng mit den Behörden und den Betroffenen abgestimmt. Bevor konkrete Maßnahmen wie seismische Messungen oder Probebohrungen umgesetzt werden können, müssen weitere Genehmigungen eingeholt werden. 

Sollte sich Tiefengeothermie als weiterzuverfolgender Ansatz für die Wärmeerzeugung erweisen, informieren die Stadtwerke offen und transparent.

Warum prüfen die Stadtwerke Geothermie?

Als Wärmeversorger sind die Stadtwerke verpflichtet, bis 2040 mindestens 80 Prozent ihrer Fernwärme aus erneuerbaren Energieträgern zu erzeugen. Bis 2045 muss komplett auf fossile Energieträger verzichtet werden. Anders als im privaten Bereich geht es um sehr große Wärmemengen, die für ganze Quartiere und Stadtteile erzeugt werden müssen. Daher kommt für diesen Bereich nur eine begrenzte Anzahl an Umweltenergiequellen in Frage. 

Im Norden Weimars kombinieren die Stadtwerke bereits Abwärme aus dem Abwasser der Kläranlage, eine große Solarthermieanlage und Wärmespeicher. Im Süden Weimars herrschen andere Rahmenbedingungen, sodass Tiefengeothermie grundsätzlich infrage kommt.

Welche Stadtteile werden untersucht?

Die Tiefengeothermie interessiert die Stadtwerke primär im südlichen Teil der Stadt. Dort sollen zukünftig große Kunden mit Fernwärme versorgt werden, die teilweise keine wirtschaftlichen Alternativen bei der Wärmeerzeugung haben. Eine Eingrenzung auf konkrete Straßen und Flächen kann aktuell noch nicht vorgenommen werden.

Gibt es Lärm, Bohrungen, Stau oder Ähnliches?

Im aktuellen Anfangsstadium und mittelfristig wird es keine Beeinträchtigungen geben. Mögliche Bohrungen und Sperrungen sind, wenn überhaupt, erst in fünf bis zehn Jahren zu erwarten.

Die Stadtwerke rechnen mit ersten Ergebnissen zur grundsätzlichen Eignung und der Wirtschaftlichkeit im Jahr 2028. Danach müssen immer detailliertere Untersuchungen vorgenommen werden, um unsichere Faktoren auszuschließen.